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Warum ignorieren Caravaner die Elektrowende?

Deutsche Zugautos fahren zu 76 % mit Diesel und nur zu 1,5 % rein elektrisch. Die ACSI-Umfrage zeigt, wo die Ladeinfrastruktur versagt und welche Marken und Modelle beliebt sind.

Der europäische Campingspezialist ACSI hat 6800 deutsche und niederländische Wohnwagenbesitzer nach ihrem Zugfahrzeug befragt. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Platzhirsch Diesel: Mehr als 76 % aller deutschen Zugfahrzeuge fahren damit – Elektro kommt nur auf 1,5 %. Größte Hemmnisse: begrenzte Reichweite, Anschaffungskosten und fehlende Ladepunkte für Gespanne.
  • Knackpunkt Infrastruktur: Jeder zweite vermisst an den Schnellladestationen Längsparkbuchten – denn den Anhänger abkuppeln ist nicht praktikabel. Positiv: Mehr als jeder fünfte Campingplatz in Europa bietet bereits eigene Ladepunkte.
  • Knackpunkt Infrastruktur: Jeder zweite vermisst an den Schnellladestationen Längsparkbuchten – denn den Anhänger abkuppeln ist nicht praktikabel. Positiv: Mehr als jeder fünfte Campingplatz in Europa bietet bereits eigene Ladepunkte.

Diesel dominiert

Während Diesel-PKW im Alltag immer weiter an Bedeutung verlieren, bleibt er bei deutschen Wohnwagenbesitzern klar die erste Wahl: Mehr als 76 Prozent aller Zugfahrzeuge laufen mit Dieselmotor. Benziner folgen mit knapp 16 Prozent. Ein Blick ins Nachbarland macht den Kontrast deutlich: In den Niederlanden fahren nur 13 Prozent der Wohnwagenurlauber mit Diesel (bedingt durch die hohe KfZ-Steuer für Dieselautos) – dafür 55 Prozent mit Benziner, 29 Prozent mit einem (Plug-in)-Hybridmodell und 1,8 Prozent vollständig elektrisch.

Stromer nur kleine Rolle

Fast 60 Prozent aller 2025 neu zugelassenen PKW in Deutschland sind vollelektrisch oder hybrid – doch am Wohnwagenhaken ändert sich wenig. Gerade einmal 1,5 Prozent der befragten Wohnwagenbesitzer ziehen ihren Caravan mit einem reinen E-Auto. (Plug-in)-Hybride kommen auf knapp 4 Prozent. Dabei wäre die Technik grundsätzlich kein Problem: Viele E-Autos bringen genug Leistung, um einen Wohnwagen zu bewegen. Was bremst, sind andere Faktoren: Über 80 Prozent der Befragten nennen die begrenzte Reichweite als Haupthindernis. 54 Prozent schreckt der hohe Anschaffungspreis ab. Und mehr als die Hälfte (51 Prozent) stört ein infrastrukturelles Problem, das bislang kaum jemand laut ausspricht:

Ladestationen vergessen den Anhänger

ACSI-Geschäftsführer Ramon van Reine bringt es auf den Punkt: „Im Gegensatz zu Tankstellen gibt es an Schnellladestationen kaum Parkbuchten längs zur Ladesäule. Wer einen Wohnwagen oder Anhänger dabei hat, muss ihn erst abkuppeln, um andere nicht zu blockieren – auf einer vollen Autobahnraststätte logistisch kaum machbar.“ Das schade der Akzeptanz der Elektromobilität unter Campern erheblich. Immerhin gibt es Lichtblicke: „Mehr als jeder fünfte Campingplatz in Europa hat bereits eigene
Ladepunkte“, so van Reine. „Das zeigt, dass die Branche den Trend zu E- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen ernst nimmt.“

Batterie-Langzeitvertrauen fehlt

Zwei von 5 befragten deutschen Wohnwagenurlaubern sind unsicher über die Batterieleistung beim Ziehen (Verschleiß/Haltbarkeit) und knapp jeder dritte hat kein Vertrauen in elektrische Zugfahrzeuge allgemein. Diese Werte beschreiben kein technisches Argument, sondern ein Vertrauensdefizit.

SUVs und Kombis haben Nase vorn

Deutsche Camper lassen ihre Wohnwagen vor allem von dicken Autos ziehen: Alle zehn meistgenutzten Zugfahrzeuge sind entweder SUVs (VW Tiguan, Ford Kuga, Mazda CX-5, Mercedes GLC, Skoda Kodiaq, Kia Sorento, Volvo XC60) oder großvolumige Limousinen/Kombis wie VW Passat und Mercedes E- und C-Klasse.

VW am beliebtesten – Ford überraschend stark

In der Markenrangliste führt Volkswagen mit 18 Prozent – ein erwartbares Ergebnis. Weniger erwartbar: Ford folgt mit 12 Prozent direkt hinter Mercedes (13 Prozent) auf Platz drei (bei Campern ist Ford offenbar besonders beliebt, am allgemeinen PKW-Bestand hat die Marke einen Anteil von nur 6,6 Prozent). Danach folgen Skoda (6 Prozent) und BMW (5 Prozent), Opel und Audi sind abgeschlagen mit 3 Prozent. Im Modellranking spiegelt sich das wider: Der Ford Kuga punktet vor allem mit seiner hohen
Anhängelast (2100 kg) und kommt mit 6 Prozent direkt nach dem VW Tiguan.

Was beim Kauf wirklich zählt

Die fünf wichtigsten Faktoren bei der Wahl des Zugfahrzeugs: Zuverlässigkeit (79 Prozent), Anhängelast (77 Prozent), Komfort (62 Prozent), Kraftstoffverbrauch (54 Prozent) und Anschaffungspreis (41 Prozent) dominieren. Markenimage und Empfehlungen aus dem Freundeskreis spielen bei der Kaufentscheidung kaum eine Rolle.