Stille Idylle statt Wasserrutschen-Paradies?
Camping ist für viele Familienurlaub schlechthin. Doch in der Nische entwickelt sich derzeit ein Trend, der in der Hotelbranche bereits etabliert ist: ,,Adults-only“ – kinderfreie Plätze. Campingexperte ACSI beobachtet den wachsenden Gegensatz: Immer mehr Plätze in Europa schließen Kinder komplett aus – während der Großteil der Branche in Familienangebote investiert. In Deutschland ist der kinderfrei-Trend bisher kaum angekommen.
Tschüss Kindergeschrei, hallo Ruhe
Gab es 2021 in Europa nur 64 Adult-only-Campings, sind es 2026 insgesamt 90 – das entspricht einem Plus von 41 Prozent. Gemessen an allen knapp 10.000 von ACSI vor Ort inspizierten Plätzen ist das Phänomen ein Nischenmarkt, doch die Richtung ist eindeutig. Auf acht der 90 kinderfreien Plätze sind übrigens auch keine Hunde erlaubt.
Anführer des Trends ist Großbritannien mit 40 kinderfreien Plätzen, gefolgt von den Niederlanden mit 23. Frankreich zählt 13 solcher Standorte. Ganz anders sieht es in den klassischen Familien-Reiseländern aus: Italien verzeichnet zwei Adults-only-Plätze, Spanien und Österreich jeweils einen.
„Campingplatzbetreiber positionieren sich zunehmend schärfer, um ihre Zielgruppe zu erreichen. Ein nicht unerheblicher Teil der Gäste sucht Ruhe und Komfort – ohne Animation, Wasserparadies oder Disco. Gleichzeitig sehen wir am anderen Ende des Spektrums ein umfangreicher werdendes Familienangebot. Für Camper wird so klarer, was sie vor Ort erwartet.“
– Ramon van Reine, ACSI-GeschäftsführerIn Deutschland wenig kinderfreie Plätze
Während Großbritannien und die Niederlande beim kinderfreien Camping vorpreschen, bleibt Deutschland zurückhaltend. Aktuell listet ACSI hierzulande vier kinderfreie Plätze:
- BurgStadt CampingPark, Kastellaun (Rheinland-Pfalz)
- Camping Neudahner Weiher, Dahn (Rheinland-Pfalz)
- 7 Täler Campingplatz, Dietfurt (Bayern)
- Wald- und Naturcampingplatz am Tonsee Süd (Brandenburg)
Die andere Seite: mehr Familienfreundlichkeit denn je
Dass sich die große Mehrheit der europäischen Plätze weiterhin an Familien richtet, zeigen die Investitionszahlen:
- Auf 825 der ACSI-inspizierten Campings gibt es inzwischen Spielplätze mit Spielgeräten –mehr als dreimal so viel wie noch vor fünf Jahren. Die meisten davon sind in den Niederlanden (310), gefolgt von Frankreich (227) und Deutschland (86).
- Familienduschen, also größere Sanitärkabinen, gibt es mittlerweile auf 2.374 Plätzen (das sind 25 Prozent mehr als 2021). Spitzenreiter ist Frankreich (670), vor den Niederlanden (406) und Deutschland (286).
- Wasserspielplätze legten seit 2021 um 44 Prozent auf 733 Standorte zu, Indoor-Spielplätze wuchsen um 9 Prozent auf 629 Plätze.
Camping 2026: Vielfältiger und schärfer positioniert
Wer aktuell absolute Ruhe sucht, findet sein „Adults only“-Refugium und auch für Familien ist das Angebot so groß wie nie zuvor. Die Branche positioniert sich also zunehmend zielgruppenscharf: Eine Mehrheit baut ihr Familienangebot aus, eine kleine Minderheit setzt bewusst aufs Gegenteil.
