Kinderbadekappe

Ich mache Camping und nehme mit…

Enge Badehose, Badekappe, Klopapier – und bloß nicht ohne Reservierung losfahren. Campingexperte ACSI inspiziert jährlich 10.000 Plätze in ganz Europa und weiß: Wer gut vorbereitet in den Urlaub startet, erlebt weniger Überraschungen. Ein kleiner Reise-Knigge für entspannte Campingferien 2026.

Camper kennen das Phänomen vielleicht aus Kindheitstagen oder aus Erzählungen der Eltern: Am Pool trägt plötzlich jeder Badekappe. Ist das noch ein Ding? Ja, tatsächlich – auf 196 der von ACSI inspizierten Campingplätze in Europa ist die Badekappe nach wie vor Pflicht,84% davon sind in Italien. Kein Zufall, denn hinter der Vorschrift steckt lokales Hygienerecht: Haare und Hautschuppen sollen draußen und so das Wasser sauber bleiben.

„Campingplätze können bei den Behörden eine Ausnahmegenehmigung beantragen, wenn sie die Wasserqualität auf andere Weise nachweislich sicherstellen. Wer also auf einem großen, modernen Platz Urlaub macht, kann oft ganz ohne Kopfbedeckung ins kühle Nass.“ – Ramon van Reine, Geschäftsführer ACSI

Badeshorts verboten – Speedo ist König

Während die Badekappe ein sehr italienisches Phänomen ist, hat Frankreich seine eigene Poolvorschrift: das Verbot von Badeshorts. Mann trägt hier eine eng anliegende Badehose. Auf jedem zehnten von ACSI inspizierten Platz in Europa gilt dieses Gebot, die allermeisten liegen in Frankreich (1044 von insgesamt 1076 Campingplätzen). Auch hier stecktet der Hygiene-Aspekt dahinter: Badeshorts werden oft auch als Straßenkleidung getragen – das Pool-Management findet das nicht appetitlich.

ACSI-Tipp:

Vorab prüfen, welche Regeln am Zielort gelten, und im Zweifel Badekappe und passende Badebekleidung einpacken. Schicke Retro-Badehosen sind ohnehin wieder trendy.

Klorolle unterm Arm

Wer denkt, in Zeiten von Luxus-Sanitäranlagen mit Fußbodenheizung und Regendusche sei das Klopapier-Mitbringen passé, liegt leider nicht ganz richtig. Auf rund 18 Prozent aller europäischen Campingplätze gibt es keine Rollen in den Sanitärgebäuden. Also: Klopapier gehört ins Reisegepäck, irgendwo zwischen Campingkocher und Outdoor-Sandalen.

Noch kurioser: Die Hocktoilette ist auf 905 von ACSI inspizierten Plätzen in Europa noch im Einsatz. 436 davon befinden sich in Italien, 395 in Frankreich. Wer also im Urlaub auf mediterrane Ursprünglichkeit besteht, bekommt sie – manchmal unfreiwillig.

Die andere Seite der Medaille: Camping wird komfortabler

Das Spannende an Europas Campingplatz-Landschaft: Sie ist so vielfältig wie nie zuvor.

  • Auf gut 4.700 von ACSI inspizierten Campingplätzen steht eine Bügelstation bereit – so bleiben Hemden auch im Urlaub knitterfrei, wenn es sein muss. Etwa 1890 französische Plätze bieten den Service an.
  • Wer auf Abwasch mit Schwamm und Bürste verzichten möchte: mehr als 600 Plätze haben eine Geschirrspülmaschine.
  • Privatsanitär direkt am Stellplatz – das Nonplusultra für Komfort-Camper – bieten mittlerweile ebenfalls rund 600 Plätze an. Die Vorreiter: Frankreich und Deutschland.
  • Weitere 600 Plätze bieten Privatsanitär im Sanitärgebäude an – ein eigenes Badezimmer, nur für den eigenen Stellplatz buchbar. Hier liegen Italien, Deutschland und Frankreich vorn.

Spontan anreisen? Lieber nicht

Ein anderer Trend, den Campingurlauber berücksichtigen sollten: Spontanurlaub ohne Reservierung wird schwieriger. 80 Prozent der europäischen Campingplätze empfehlen eine Vorausbuchung für die Hauptsaison – Tendenz steigend. Nur noch auf 159 von ACSI inspizierten Plätzen ist gar keine Reservierung möglich; 2024 waren es noch mehr als 200.

„Camping wird in Europa immer populärer, außerdem automatisieren die Plätze ihre Online-Reservierungssysteme in rasantem Tempo. Statt im Hochsommer auf gut Glück mit Caravan oder Camper durch Europa zu fahren, empfehlen wir: rechtzeitig reservieren.“ – Ramon van Reine, Geschäftsführer ACSI

Fazit: Gut informiert reist es sich entspannter

Camping 2026 ist vieles auf einmal: komfortabler denn je, internationaler, digitaler – und trotzdem manchmal von Vorschriften geprägt, die einen schmunzeln lassen. Wer sich vorab informiert, erlebt weniger Überraschungen. Und wer die Badekappe vergessen hat, kann sie meist auch am Platz kaufen.